• Claudia Dobler

Corona - und seine Auswirkungen auf uns

Aktualisiert: März 21

Dieser Tage passieren viele Dinge, die wir alle noch nicht erlebt haben. Ein richtiges Lösungsmuster, wie man mit dieser Situation der Pandemie umgeht, haben wir also nicht parat. Genauso wie unser Körper kein Rezept dagegen bereithält, ist auch unsere Psyche diesem Umstand wie ein weißes Blatt Papier ausgeliefert. Das macht Angst, schafft Unsicherheit und lässt uns somit so manche Übersprungshandlung an den Tag legen, über die wir bei nüchterner Betrachtung nur den Kopf schütteln können - wie unser Hamsterkaufverhalten von Klopapier und anderen Artikeln wie Mehl, obwohl viele davon noch nie im Leben ein einziges Brot selbst gebacken haben.

Was passiert da mit uns?

Durch die Angst, aber auch die Ohnmacht gegenüber einem unsichtbaren, unbekannten Virus - suchen wir verzweifelt nach etwas Sicherheit. Den Einkauf zu tätigen verursacht also wieder etwas Kontrolle über das eigene Leben, wo wir uns sonst ausgeliefert fühlen. Andere negieren einfach den Umstand der Pandemie, entgegen aller seriösen Medienberichten und offensichtlichen Handlungsänderungen im Alltag, wie z.B. die Absperrbänder in den öffentlichen Bussen und andere deutliche Zeichen von Veränderungen. Frei nach dem Motto "Was nicht sein darf, ist auch nicht!"

Ich habe mich in den letzten beiden Wochen selbst beobachtet und gemerkt, das ich eine ganze Reihe verschiedenartigster Emotionen durchlebt habe, bei derselben Problematik.

Mein Ziel ist es hier meine Gedanken - und Gefühlswelt niederzuschreiben und wie ein Tagebuch durch die Krise zu führen. Vielleicht ist es in einigen Jahren mal ganz gut auf diese Seiten zurückzublicken, um wieder die Freiheiten zu schätzen und dankbar zu sein für unsere Gesundheit.

Freitag 13.03.2020

Beginnen möchte ich den Rückblick mit dem Freitag den 13. März, nicht weil ich abergläubisch bin, sondern weil ich ihn noch gut in Erinnerung habe. Die Pandemie war schon deutlich fortgeschritten, Desinfektionsmittel vergriffen, Hände waschen und bei vielen schon der Begriff social distancing im Mund. Das Thema war omnipräsent. In Social Medias kursierten bereits diverse Witze über Corona. Ich habe mich bis dahin gut informiert und fühlte mich gerüstet und mit Vorsichtsmaßnahmen auch relativ sicher.

Sa/So 14./15.03.2020

Über dieses Wochenende änderte sich die Lage in schnellen Schritten. Die Schlagzeilen kamen in fast stündlichen Abständen, die Zahl der bestätigten Infizierten explodierte förmlich. Mittlerweile wußte ich auch, daß die eigentliche Zahl der Infizierten um ein Vielfaches höher ist.

Der Big Bang war jedoch die Mitteilung, daß alle Schulen und Kitas für 5 Wochen geschlossen werden und es dringend erforderlich ist durch Minimierung der Sozialkontakte die Neuinfizierungen abzuflachen.

Ab diesem Zeitpunkt war klar, daß die Lage sich nun verändert und meine bisherigen Verhaltensänderungen, wie das Unterlassen von Händeschütteln usw. nicht mehr ausreichen werden.

Woche von Montag 16.03.2020

Beruflich stellte ich alle meine Wirkungskreise auf virtuell vom Home-office aus um. Manche in meinem Umfeld fühlten sich betrogen, weil sie in der vergangenen Woche den Empfehlungen der Politiker gefolgt sind und sich nicht an den Hamsterkäufen beteiligt haben. Die Regale wurden vieler Orts innerhalb von kürzester Zeit leergekauft. Klopapier wurde nur noch rationiert abverkauft.

Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, daß sich das Leben auf der Strasse drastisch reduzierte, wie es eigentlich angemessen gewesen wäre.

So saß ich in meinem Home-office und sah dem munteren Treiben auf der Strasse zu, fühlte mich wie in einer verkehrten Welt. Ich spürte die Notwendigkeit der Verhaltensänderung sehr deutlich, schränkte mich komplett ein. Alle Kontakte nur noch virtuell, kein Hamsterkauf, keine Panik - aber ein ungutes Gefühl von was sein sollte und was meine Wahrnehmung ist.

Um dieser Diskrepanz zu entkommen und gleichzeitig gegen die Ohnmacht anzukommen, gründete ich eine Einkaufsgemeinschaft im Haus. Es sollten nicht alle Einzeln losrennen, sondern einer für alle und dies rollierend. Eine Nachbarin meldete sich auf meinen Aushang am schwarzen Brett im Hausgang. Ich war frohen Mutes, denn es war eine Kandidatin der Risikogruppe.

Am Dienstag folgte ich dem allgemeinem Aufruf und klatschte um 21h für die Hilfskräfte. Es war ein einsames Applaudieren und fühlte sich paranoid an. Trotzdem habe ich es eine Minute lang mit Tränen in den Augen durchgezogen. Warum schaffen es Italiener und Spanier? Muß sich das bei uns verhaltenen Deutschen erst entwickeln? Ich bleibe dran.

DANKE an dieser Stelle allen Helfern, die sich dafür einsetzen, damit unsere Welt noch funktionieren kann. Applaus, Applaus.

Am Donnerstag kaufte ich dann ein und mußte feststellen, daß meine betagte Nachbarin über Stunden gar nicht zuhause war. Schon da beschlich mich ein Gefühl von gewisser Sinnlosigkeit, sollte doch besonders diese Altersgruppe das Haus nicht verlassen. Als sie abends mit kleiner halbgefüllter Einkaufstasche ihre Bestellung mit schweren Lebensmitteln wie Milch und Joghurt in größeren Mengen abholte, fühlte ich mich ziemlich ausgenutzt und den Zweck der Übung hat es komplett verfehlt. Ein Gefühl der Sinnlosigkeit machte sich breit.

Auch bei meinem Einkauf am Nachmittag sah ich viele alte Menschen auf der Strasse und in den Läden. Abstandhalten Fehlanzeige!

Als auch trotz klarer Ansagen aus der Politik keine deutliche Verhaltensänderung auf der Strasse zu erkennen war, wechselte meine emotionale Lage von tiefer Traurigkeit bis hin zu Wut. Traurig, weil Teile unserer Gesellschaft sich nicht verantwortlich fühlen - den Gong nicht hören wollen solange sie noch freiwillig Mitgestalten können, sondern warten bis der Befehl von oben kommt. Sind wir wirklich eine unmündige Gesellschaft geworden? Fühle ich mich da noch zugehörig?

Wütend war ich, weil viele Existenzen bedroht sind - während eine sorglose und vergnügungssüchtige Gesellschaft keine Bereitschaft zu einer angemessenen Verhaltensänderung zeigt. In meinen Wutphasen hätte ich am liebsten alle Egoisten da draußen in ein rotes Buch eintragen lassen. Wenn sie im Krankheitsfall dann um medizinische Hilfe bitten, hätte diese unterbleiben sollen aufgrund ihres grob fahrlässigen Verhaltens.

Heute am Freitag dann die Nachricht der Ausgangsbeschränkung in Bayern. Eine folgerichtige Entscheidung aus meiner Sicht, es gab genügend Warnschüsse.

Ich bin gespannt, wie sich nun die Viruskrise weiterentwickelt und was sie mit uns als Gesellschaft, mit mir noch so alles macht. Ich werde berichten - Tbc.







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